Friedrich Rückert.

  Friedrich Rückert

Rückert wurde am 16.5.1788 in Schweinfurt geboren. Er besuchte das Gymnasium in Schweinfurt und studierte ab 1805 Jura und Philologie in Würzburg und Heidelberg, wo er 1811 habilitierte. Er hielt Vorlesungen über griechische und orientalische Mythologie, wurde dann Gymnasiallehrer und Privatgelehrter. Er arbeitete auch als Redakteur in Stuttgart und Coburg.

1826 wurde er Professor der orientalischen Sprachen in Erlangen; er erhielt auch eine Professur in Berlin. 1848 zog er auf das Gut seiner Frau. Rückert starb am 31.1.1866 in Neuseß bei Coburg.

 

 Gemeint ist "La ilahe il Allah" Gott ist Einer

 

Nach Dschelaleddin Rumi

 

Wohl endet Tod des Lebens Not,
Doch schauert Leben vor dem Tod.

Das Leben sieht die dunkle Hand,
Den hellen Kelch nicht, den sie bot.

So schauert vor der Lieb ein Herz,
Als wie von Untergang bedroht.

Denn wo die Lieb erwachet, stirbt
"Das Ich", der dunkele Despot.

Du laß ihn sterben in der Nacht
Und atme frei im Morgenrot
.

-Rumi, übersetzt von F.Rückert-
 
 

DIE CHRISTLICHE KRITIK

 

Du hast im Traum recht greuliche
Gesichte,
Und machst daraus abscheuliche
Gedichte.
Wozu die Nachtumgrauungen
Die Seelenleichenschauungen?
Zu christlichen Erbauungen!
Zu leiten durch die Finsternis zum Lichte!
Du sprichst: die christliche Kritik darüber richte!
Du schaffst recht fledermausige
Gestalten,
Und weißt sie recht ins Grausige
Zu halten.
Wozu die Giftbetauungen,
Verdorbene Säfte Brauungen?
Zu christlichen Erbauungen,
Daß heilsam Höllenglut nicht mög' erklaten!
Du sprichst: die christliche Kritik mag darüber walten!
Du weißt recht kraß ins Gräßliche
Zu rennen,
Und recht mit Hass und Häßliche
Zu nennen.
Wozu die geistervertrauungen
Gestörter Leibsverdauungen?
Zu christlichen Erbauungen!
Die christliche Kritik mag's anerkennen:
Wer so die Hölle heizt, verdient darin zu brennen.
 
 
Am Ende wird die Welt das Christentum besiegen,
   Und andre Formen ihm des Glaubens unterliegen,
Denn ausgesendet gehn von ihm nach allen Orten
Die Boten, welche streu'n den Samen hier und dorten,
Nicht stets mit weisem Sinn, nicht stets nach kluger Wahl;
   Doch was auch jetzo mag verkommen, keimt einmal.
Des Geistes Kraft, mit der sie Völkerschranken brachen,
   Bewaffnet sie zum Kampf mit Kunde fremder Sprachen,
Um ihre Lehr' in Red' und Schriften auszusä'n,
   Indeß die Fremden selbst das Fremde stolz verschmähn.
Kein Morgenländer könnt' im Abendlande reisen,
   Um über Christus dort Mohammed anzupreisen.
Man würd' im Augenblick auch aus dem Land ihn weisen.
Denn minder duldsam sind die unter Christi Fahnen
   Als die für unduldsam verschrienen Muselmanen.
 
 
DIE AUFERSTEHUNG DES FLEISCHES
 
Wenn der Geist sich dem Leib entschwingt,
In Lüften seine Tänze schlingt,
Schleicht ihm, ein heimliches Ungemach,
Die Auferstehung des Fleisches nach.
Soll er sich wieder behangen
Mit, dem er glücklich entgangen?
Dem Fraß von Würmern und Motten!
Wer wagt's ihm so zu spotten?
 
-ja, wer nur?-
 
 
 
 
 
 

Der Himmel hat eine Träne geweint,
Die hat sich ins Meer verlieren gemeint.

Die Muschel kam und schloß sie ein:

Du sollst nun meine Perle sein.

Du sollst nicht vor den Wogen zagen,

Ich will hindurch dich ruhig tragen.

O du mein Schmerz, du meine Lust,

Du Himmelsträn' in meiner Brust!

Gib, Himmel, daß ich in reinem Gemüte

Den reinsten deiner Tropfen hüte.

 Friedrich Rückert
 
 

DU

Du meine Seele, du mein Herz,
Du meine Wonn', 0 du mein Schmerz,
Du meine Welt, in der ich lebe,
 Mein Himmel du, darein ich schwebe,
O du mein Grab,
in das hinab Ich ewig meinen Kummer gab.
Du bist die Ruh', du bist der Frieden,
Du bist der Himmel mir beschieden.
Daß du mich liebst, macht mich mir wert,
Dein Blick hat mich vor mir verklärt,
Du hebst mich liebend über mich,
Mein guter Geist, mein bessres Ich!
 
Friedrich Rückert

 

”OnePicProject”

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